Auf dem Champf, ob St. Gallen, typische Ostschweizer Vorfrühjahrsstimmung. Der Alpstein verhangen. Ein frischer Westwind trieb dunkle Wolken über den Bodensee, blies einem Schneeregen ins Gesicht. Die Landschaft dunkelgrün, schmutzbraun gefärbt und mit grauen Schneeflecken durchzogen. Vom Appenzellerland, Untertoggenburg übers Fürstenland zur Stadt St. Gallen bis zum Bodensee schweifte mein Blick durch die Region, in welcher sich mein Leben über weite Zeiträume abspielte. Ich beschloss, dass ich diese am Nachmittag, zusammen mit meinem Enkel, durchqueren werde. Um mit ihm das Grab meines Sohnes und meinen greisen Vater im Altersheim zu besuchen. Durch die Landschaften meiner Vergangenheit zu reisen, zu meiner Geschichte und meinem Selbst, das durch die Geschehnisse in dieser Raum-Zeit Relation geprägt ist. Vieles was nicht vorbestimmt war, nur angenommen werden konnte, Anderes das aufgrund von Entscheidungen, eignen und solche Anderer, geschah. Ereignisse die meinen Weg durch Raum und Zeit prägten. Ein Empfinden des Lebens, das dargestellt werden kann wie eine jüdische Thorarolle. Die Landschaft die ich jetzt sehe, als Landkarte, welche sich fortwährend von der Rolle der Zukunft zur Rolle der Vergangenheit abrollt. Ich fragte mich, ist diese Landschaft meine Heimat?

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