Oft trauere ich um die gemeinsame Zukunft, welche ich mit unserem Sohn nie haben werde. Ich empfinde in gewissen Phasen wie der amerikanische Psychiater Elliot Luby formulierte:

„Wenn Deine Eltern sterben, verlierst Du Deine Vergangenheit. Wenn Dein Kind stirbt, verlierst Du Deine Zukunft.“

Das Geschehene annehmen und akzeptieren ist das Eine. Der Verlust von Zukunftsvisionen das Andere. Auf die gemeinsame Vergangenheit kann ich mit Genugtuung und Freude zurückblicken. Wie gehe ich jedoch mit einer Zukunft um, die nie stattfinden wird? Mit dem Verlust des zukünftigen Lebens und der Weiterführung der Vater-Sohn Beziehung?

Ich trauere um ein Leben, das unser Sohn nie leben und ich mit ihm nie teilen kann. Trauer um Liebe und Beziehungen, die er nie erfahren wird. Um das Glück über eigene Kinder und Partner, das er nie erleben darf. Traditionen die nicht weitergeführt werden können. Familienstrukturen die nicht mehr, in der natürlichen Form existieren. Es plagt mich ein Schmerz über den Verlust eines imaginären Verlaufs des Lebens,, welcher nicht mehr zutrifft, da dessen Fluss unterbrochen wurde.

Niemand weiss wie seine imaginäre Zukunft zur Realität wird, falls er sie überhaupt erlebt. Ich habe keine Gewähr und kein Recht auf einen Lebenslauf, den ich so leben werde wie ich ihn für mich wünsche, welchen ich als gerecht und menschenwürdig empfinde. Es existiert keine höhere Macht, welche meine Biografie für mich willentlich vorbestimmt. Die Kräfte des Universums und der Natur generieren Auswirkungen, in Verkettungen aus Ursache und Wirkung, auf mein Dasein. Menschliches Verhalten bestimmt und beeinflusst mein Leben durch Werte, Abhängigkeiten, Gier, Macht und vollbrachte Taten. Ausser den Möglichkeiten die mein eignes Verhalten und Denken geben, stehe ich den äusseren Bedingungen meiner Lebensumstände ziemlich machtlos gegenüber.

Es ist schlussendlich nicht nur die Trauer um meinen Sohn, sondern auch die Trauer um den Verlust von dem Glauben an das GUTE, das GERECHTE, die mich orientierungslos zurücklässt. Es ist die Trauer um den Verlust meines eigenen Lebensentwurfes. Die Trauer um das Leiden meiner Frau, welchem ich machtlos gegenüber stehe und welches unsere Beziehung nachhaltig veränderte.

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