Habe mich in den letzten Tagen intensiv mit dem Gefühl der Machtlosigkeit und der daraus resultierenden Lebensunfähigkeit auseinander gesetzt.

Wir gaben zu, dass wir … (Verlusten, Gefühlen, Ängsten, Verhaltensmustern, Süchten) … machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.

Dieses Eingeständnis und Annehmen der eigenen Lebenssituation, dass der entscheidende erste Schritt, zur Veränderung des eigenen Lebens, in den zwölf Schritte Programmen ist. Wenn ich dem Leben ausgeliefert bin und keine Möglichkeit sehe Einfluss zu nehmen, bin ich machtlos. A.F.Th. van der Heijden schreibt in seinem Requiemroman „Tonio“, in welchem er den Tod seines Sohnes zu verarbeiten versucht:

Das Gefühl der totalen NIEDERLAGE. Dein Sohn ist dir von einer unbekannten Macht genommen worden, der du, als Vater, nicht Einhalt gebieten konntest.

Diese Niederlage, die ich heute nicht mehr auf ein persönliches Versagen zurückführe, sondern darauf, dass das Leben als solches, über sich und das Sterben bestimmt. Die Einsicht, wie wenig ich im Leben unter Kontrolle habe, die, wie ich sie empfinde, gar nicht dem Zeitgeist dem Europa des 21. Jahrhunderts entspricht. Höhere Mächte, die mich nicht immer, wunderbar geborgen fühlen lassen. Das Universum, die Natur, den Ablauf der Zeit als höhere Mächte annehmen, über welche ich nie eine Kontrolle erlangen werde. Akzeptieren nur eignes Denken, Verhalten und Tun kontrollieren zu können. Weshalb ist dies so schwer für mich, etwas das seit Menschengedenken für alle gilt?

Eine Ich-Bezogenheit, die mein Selbstwertgefühl entrückt und mich hindert Leben zu meistern? Weshalb fühle ich mich schuldig für Dinge, über welche ich keine Macht habe und verdränge meine Schuld, wo ich verantwortlich bin?

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